Wer nicht ohnehin ein großer Fan von Horst Evers ist, wird sich mit Für Eile fehlt mir die Zeit zunächst etwas schwertun. Denn das Buch braucht eine Weile, um in Schwung zu kommen. Aber dann wird es von Seite zu Seite immer besser – und literarischer. Dass man am Schluss der Erzählung Das Paar im Zug zum Beispiel nicht mehr weiß, ob es wirklich noch das Alter Ego Evers’ ist, das schreibt, oder nicht doch der aufdringliche weibliche Pärchenpart, der einen Klobesuch des Erzählers nutzt, um an dessen Laptop die Geschichte zu beenden, ist schon wirklich hübsch.
Am schönsten in Für Eile fehlt mir die Zeit ist vielleicht die Erzählung Wenn Mücken twittern könnten, die von einem neuen Nachbarn mit dem schönen Namen „Herr Riechmann“ berichtet, der zum Twittern kein Internet braucht sondern seine Kurznachrichten – „Boah, hab ich Hunger!!!“ oder „Jetzt mach ich gerade mal überhaupt nichts!!!“ – einfach durchs geöffnete Fenster in den Hof brüllt. Da klingt es zwar vom Duktus her an manchen Stellen so, als hätte Evers von Wolf Haas abgeschrieben, aber das will man ihm gern verzeihen. -- Thomas Köster